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Hausboot-Ferien führerscheinfrei
 
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Hausboot-Urlaub in Italien in der Lagune von Venedig

Reisegebiet: Lagune von Venedig (Venetien - Italien)
Reisezeit:März/April 2005
Start-Basis:Casier (am Fluss Sile)
Ziel-Basis:Porto Levante
Hausboot-Crew:Klaus Bartram und Familie
Unser Boot:Elegance
Hausboot-Route:Casier · Cendon · Jesolo · Portegrandi · Torcello · Burano · Venedig · San Giorgio · San Erasmo · Lido di Venezia · Chioggia · Porto Viro · Porto Levante

Tag 1 - Samstag - 26. März 2005

Um 6.15 Uhr hieß es aufstehen, denn bereits um kurz vor 7.00 Uhr musste die S-Bahn zum Flughafen erreicht werden. Glücklicherweise hatten Klaus und Arne bereits am Freitag Abend am Lufthansa-Schalter eingecheckt und das Gepäck aufgegeben, so dass allen Mitreisenden ein noch früheres Aufstehen zu gänzlich "unchristlicher" Stunde erspart wurde. Oma Ilse und Opa Karl-Heinz ließen sich vom Bruder/Schwager zum Airport bringen. Um 7.45 Uhr trafen wir uns in der Abflughalle und gingen gleich weiter zum Sicherheitscheck. Dort verursachte Klaus einen mittelgroßen Aufruhr, weil er in seinem Handgepäck neben Fernglas, Kompass und Winkelmesser auch einen Zirkel zur Navigation dabei hatte. Selbiger Zirkel wurde vom Sicherheitsbediensteten als gefährliche Waffe eingestuft und die Mitnahme kategorisch verweigert. Eine herbeigerufene Beamtin des Bundesgrenzschutz machte den Vorschlag, die Tasche samt Inhalt noch schnell beim Business-Schalter der Lufthansa als Gepäckstück aufzugeben. Weitere Gegenstände, die als Waffen sicherlich weit besser geeignet wären - wie Gürtel, Schnürsenkel und Socken - durfte Klaus glücklicherweise anbehalten und wir konnten sodann zum Flugsteig gehen. Der Flug verlief ohne Zwischenfälle und wir landeten pünktlich nach gut einer Stunde Flugzeit auf dem Flughafen Marco Polo. Nach der Gepäckabfertigung trafen wir sogleich auf den vom Bootsvermieter geschickten Taxifahrer. Bequem erreichten wir unsere Marina "Houseboat Holidays Italia" in der Nähe von Casier am Fluss Sile und konnten sofort unser Boot] übernehmen.


Bereits die Etrusker gruben Kanäle aus und schufen künstliche Wasserwege im Bereich der oberen Adria. Die Römer erweiterten die etruskischen Kanalbauten. Herzstück dieses teilweise noch heute funktionierenden Wasserstraßennetzes ist die mit Inseln und Sümpfen gespickte Lagune von Venedig. Mit einer Fläche von 55.000 Hektar ist sie Italiens größtes Feuchtgebiet und gleichzeitig eine in Europa einzigartige Natur- und Kulturlandschaft, geprägt von den Gezeiten, Meeresströmungen, Kanälen und Deichen. Weite Teile der Lagune sind ein Reich der Stille, der Wasservögel und einsamer Fischer.


Man benötigt in Italien keinen Bootsführerschein oder sonstige Lizenzen um ein Hausboot zu steuern, allerdings sind nautische Grundkenntnisse sehr empfehlenswert, denn die Navigation ist - zumindest nach unseren Erfahrungen - nicht ganz so einfach wie in anderen Ländern - beispielsweise Irland oder Frankreich.

Wir hatten unser Charterboot bereits im Februar per Internet bei der "Freizeit-Kapitän"-Agentur Dörge in Krefeld bestellt und alles war bestens vorbereitet. Den Papierkram erledigten wir in Rekordzeit. Die technische Einweisung (auf italienisch) war kurz, aber schließlich sind wir ja "alte Hasen" und die Hausboote unterscheiden sich letztlich nicht allzu sehr. Unser Boot Elegance, ca. 1 Jahr alt, war 13,50 m lang und 4,10 m breit, hatte 3 Kabinen, 3 Bäder mit Dusche, WC und Waschbecken, Zentralheizung und Klimaanlage, heißes und kaltes Wasser, Kühlschrank, Mikrowelle, Gasherd mit Grill und Backofen, Innen- und Außensteuerstand sowie Bugstrahlruder.

CasierDer Techniker verließ uns nach ein paar hundert Metern Fahrt an der ersten Drehbrücke, winkte uns kurz zu und wir fuhren weiter nach Casier ins Stadtzentrum zum Einkaufen. Es war bewölkt aber trocken und nicht kalt. Gleich nach dem Anlegen stürmten wir in den nahegelegenen Supermarkt, denn die Geschäfte schlossen um 12.30 Uhr. Wir deckten uns mit dem Nötigsten ein. Zurück an Bord machten wir uns einen Imbiss und genossen erst mal in Ruhe ein paar Tassen Kaffee. Arne fütterte Enten und Schwäne.

Kurz nach 15.00 Uhr spazierten Ilse, Arne und Heike nochmals ins Zentrum um noch weitere Lebensmittel einzukaufen. Da aber erst um 15.30 Uhr Öffnungszeit war, gingen sie zunächst in eine Kaffeebar. Danach besorgten sie noch Obst und Gemüse und kamen wieder auf das Hausboot. Dann hieß es erst mal Klamotten auspacken.

CendonWir überlegten zu bleiben, aber kurzentschlossen fuhren wir noch 4 km weiter auf dem Fluss "Sile". Der Flusslauf windet sich durch eine eindrucksvolle Landschaft mit zahlreichen Villen in herrlichen Gärten. An den Ufern des Flusses warten viele kleine Dörfer und idyllische Städtchen auf einen Besuch.  Wir fuhren bis nach Cendon.

Nach dem Anlegen machten wir uns sogleich auf die Suche nach einer Gaststätte für das Abendmahl. Nachdem wir den Ort komplett umrundet hatten, stellten wir fest, dass die unscheinbare "Hafenkneipe" direkt am Anlegesteg auch ein Restaurant war.

Unser erhofftes typisch italienisches Abendessen konnten wir allerdings dort nicht bekommen, denn an diesem Abend wurde dort ein "spanischer Abend" veranstaltet mit Paella-Essen und Sangria. Wir gingen erst mal wieder an Bord unseres Charterbootes, färbten Ostereier, lasen und ruhten uns aus, um dann frischgestärkt gegen 19.00 Uhr die Kneipe zu stürmen. Vor 20.00 Uhr gab es allerdings kein Essen, also hielten wir uns eine Stunde an unseren Getränken fest, doch die Zeit verging recht schnell. Cendon Das spanische Mahl schmeckte hervorragend. Vorspeise: Dreierlei aus geschmorten Paprika/Pepperoni, Kartoffeln mit Pilzen und Lammkotelett; danach Paella mit sehr viel Meeresfrüchten. Dazu gab es Rotwein und Mineralwasser. Gesättigt und zufrieden gingen wir die paar Schritte aufs Boot zurück. Dort entdeckten wir, dass im nahegelegenen Kirchhof ein Osterfeuer entzündet worden war und Arne, Klaus und Karl-Heinz wollten sich das Geschehen näher ansehen. Allerdings machte Opas "Achillessehne" beim eleganten Sprung an Land nicht mit, so dass er nun noch mehr humpelte. Nach ein paar weiteren Gläschen Wein an Bord ging es in die Kojen. In der Nacht war das ständige Läuten der Kirchturmuhr zu hören.
 


Tag 2 - Sonntag - 27. März 2005
Osterhase Arne an Bord
Ab 7.30 Uhr läuteten im Stundentakt die Kirchenglocken zum Gottesdienstbesuch - es war unverkennbar Ostern!  Nach dem Aufstehen versteckte der Osterhase Arne die Ostereier an Bord und deckte den Frühstückstisch. Danach ging die fröhliche Eiersuche los. Gemütlich wurde gefrühstückt.

Gegen 11.30 Uhr legten wir in Cendon ab und fuhren ohne weiteren Aufenthalt Richtung Portegrandi. Arne, Karl-Heinz und Heike lösten Klaus unterwegs beim Steuern ab. Ilse sorgte für die Verpflegung zwischendurch.

Irgendwie waren wir unterwegs nicht aufmerksam genug und vernachlässigten wohl auch das ordnungsgemäße Kartenstudium ein wenig, so dass wir schließlich in Jesolo landeten (ohne es gleich zu merken).
Vor der Schwimmbrücke Unterwegs gab es bei schönem Wetter viel zu sehen. Eine Schwimmbrücke musste für uns und ein zufälligerweise gleichzeitig entgegenkommendes Hausboot geöffnet werden.

Was es allerdings nicht gab, wie so oft auf unserer gesamten Strecke, waren Anlegemöglichkeiten. Was im März oder April eher nur lästig ist, ist in der Hochsaison, wenn wesentlich mehr Boote unterwegs sind, sicherlich ein ernstes Problem. Ohne rechtzeitige - telefonische - Voranmeldung wird dann da wohl auch in den privaten Sportboothäfen kaum was zu finden sein. In Jesolo standen wir unerwarteterweise auf einmal vor einer Hebebrücke, die am Feiertag (Ostern!) geschlossen blieb. Wir näherten uns vorsichtig der Brücke, aber sie war eindeutig zu niedrig beziehungsweise unser Kabinenboot zu hoch. Wir hatten uns zwar zuvor zwecks Routenplanung bei unserem Hausbootvermittler erkundigt, ob die Schleusen während der Osterfeiertage geschlossen seien, und uns wurde glaubhaft versichert, dass dem wegen der Berufsschifffahrt nicht so sei, aber offensichtlich galt dies nicht für alle Hebebrücken.

Bank Mooring in JesoloBank Mooring in JesoloAuch vor der Brücke gab es keinen Anlegesteg oder ähnliches, wie wir es aus anderen Ländern gewohnt waren. Wir hatten keine Lust viele Kilometer zurück zu fahren. Also nutzten wir unsere Erfahrungen des "Bank Mooring" aus mehreren Kanalfahrten in Frankreich und insbesondere aus Finnland und machten an drei Bäumen am Flussufer fest. Sehr zum Erstaunen von Passanten und Anwohnern. Nach dem erfolgreichen Manöver - schließlich mussten wir uns vorsichtig an das Ufer herantasten, da wir nicht wussten ob es tief genug ist - erkundeten Arne und Klaus die örtlichen Begebenheiten und Restaurants. Dann hieß es wieder Ausruhen, Lesen und Vorlesen.


Jesolo ist ein bekanntes Seebad an der italienischen Adria (23.000 Einwohner). Mit über 80.000 Betten ist der Ort heute ein beliebtes Urlaubsziel. Im frühen Mittelalter erlebte die Stadt ihre erste Blütezeit, die vor allem dem Handel, der Flussschifffahrt und der Salzgewinnung zu verdanken war. Später verlor Jesolo wieder an Bedeutung. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann ein erneuter Aufschwung, der diesmal dem Fremdenverkehr zu verdanken war. Heute besuchen jährlich über fünf Millionen Urlauber die 40 km östlich von Venedig gelegene Küstenstadt.


Gegen 19.30 Uhr machten wir uns alle Richtung Zentrum auf den Weg und landeten schließlich im Restaurante "Antica Jesolo". Hier gab es eine Bedienung mit guten Deutschkenntnissen. Das Essen war super - diesmal sogar italienische Küche. Es gab Pizza Salami für Arne, Krabbensalat als Vorspeise für den Rest der Familie. Heike und Klaus schafften sogar einen "Secondi", nämlich Spaghetti mit Meeresfrüchten bzw. Gnocchi mit Krabben. Als Hauptspeise gab es Seezunge (Ilse und Heike), Filetsteak für Karl-Heinz und Fischplatte für Klaus. Arne aß fleißig bei den Meeresfrüchten mit. Vollkommen gesättigt spazierten wir zum Boot zurück und erlösten Arne von seiner Krimispannung, indem er gnädigerweise auch noch das letzte Kapitel aus seiner Reiselektüre vorgelesen bekam. Währenddessen diskutierte der Rest der Mannschaft die weitere Fahrstrecke, nachdem nun entgültig feststand, dass wir wider Erwarten tatsächlich in Jesolo - am nördlichsten Rand der Lagune - gelandet waren. Schließlich hatte es uns die Bedienung im Lokal ausdrücklich bestätigt.

Bei einer Tasse Tee begannen wir unser Reisetagebuch zu schreiben. Erst nach Mitternacht gingen wir müde in unsere Kabinen.
 


Tag 3 - Montag - 28. März 2005

In der Nacht regnete es zum Teil sehr stark, was uns aber weiter nicht störte, denn wir lagen ja warm und trocken in unseren Kojen. Morgens war es dann so neblig, dass wir keine 20 Meter weit über den Fluss schauen konnten. Erst nach der dritten Tasse Kaffee lichteten sich die Nebelschwaden etwas, aber zum Ablegen und Weiterfahren eignete sich das Wetter immer noch nicht.Eisessen in Jesolo

 Außerdem mussten wir uns ja noch erkundigen, ob sich am heutigen Ostermontag die Hebebrücke öffnen würde. Also gingen Heike, Ilse, Arne und Klaus in Richtung Stadtzentrum und stellten fest, dass auch heute die Brücke den ganzen Tag geschlossen blieb. Wir fanden einen geöffneten Tante-Emma-Laden und erstanden Wasser und Salami. Anschließend gingen wir Eisessen. Die Eisbecher waren sehr phantasievoll gestaltet und selbst Ilses Cappuccino war mit einem "Smilie" aus Kakao verziert.
Arne entdeckt die Lagune
Langsam verzog sich auch der Nebel und zurück an Bord beschlossen wir den Tag noch zu nutzen und zu unserem eigentlichen Ziel am Vortag nach Portegrandi (zurück) zu fahren, denn in Jesolo kamen wir heute doch nicht weiter.  Eine sehr gute Entscheidung - wie sich später herausstellte - denn es wurde ein herrlicher, sonniger Nachmittag, den wir alle auf dem Sonnendeck verbrachten.

Diesmal sahen wir auch die Lagune, die hinter dem Deich lag, und die wir auf der Herfahrt übersehen hatten. Auf Anhieb fanden wir nunmehr Portegrandi nebst Schleuse und Brücke.

PortegrandiNach erfolgreichem Schleusengang legten wir im neu angelegten Hafenbecken an. Die Anlage war zwar noch im Bau, aber man konnte bereits erkennen, wie groß und modern der Yachthafen werden wird. Wir inspizierten ausgiebig die nähere Umgebung.
 laguna" vom lateinischen "lacuna" (Weiher, Lache) ab.

In der Lagune sind die Fahrrinnen durch dicke Pfähle (Briccole) deutlich gekennzeichnet. Trotzdem sollte man jederzeit gut aufpassen, welchen Kurs man einschlägt und seine Position immer wieder mit der Karte vergleichen. Die Holzpfähle markieren den schiffbaren Teil dieser eigenwilligen, zweigeteilten Wasserwelt: Sand- und Schlammbänke prägen die "Laguna morta". Sie heißt tote Lagune, weil hier das Wasser fast immer unbeweglich scheint. Im Gegensatz dazu sorgen Ebbe und Flut in der "Laguna viva", der lebendigen Lagune, für einen starken Wasseraustausch und damit für eine reiche Pflanzen- und Tiervielfalt.
Wir fuhren alsbald an Torcello vorbei.


Torcello, einst ein bekannter Handelsplatz und ab dem 7. Jahrhundert für 900 Jahre Bischofssitz, ist letztlich die Urzelle Venedigs - von hier aus begann die Besiedlung der Rest-Lagune. Es fällt schwer sich vorzustellen, dass hier einmal eine blühende Stadt mit über 50.000 Einwohnern existierte. Heute leben dort noch gerade mal 50 Menschen. Torcello war bereits eine blühende Stadt, als es Venedig noch gar nicht gab. Sie wurde aber immer mehr von Venedig überflügelt und schließlich verdrängt. 1966 nahm dann ein verheerendes Hochwasser auch noch vielen Landwirten die Existenzgrundlage.

Von Torcello ist Burano nur durch einen schmalen Kanal getrennt. Burano ist eine der größeren Inseln in der Lagune von Venedig. Typisch für diese Insel sind die vielen kleinen, in kontrastreichen Farben gestrichenen Häuser. Hier wohnen etwa 5.000 Menschen, die zu einem erheblichen Teil noch vom Fischfang oder der Fischzucht leben. Andere fahren zur Arbeit nach Murano oder Venedig. Keine Bedeutung mehr hat die Spitzenmanufaktur, die Burano berühmt gemacht hat. Einheimische beim Klöppeln in Burano Lediglich in der Spitzenschule (Scuola die Merletti) beim "Museo dei Merletti" wird die Tradition noch gepflegt. Doch es gibt noch Ausnahmen.

Wir konnten eine Einheimische beim Klöppeln beobachten. »

Echte Burano-Spitze ist nach wie vor reine Handarbeit und sehr teuer, aber auch sehr wertvoll.

Für die meisten touristischen Besucher gilt allerdings immer noch: was für Murano das Glas, sind für Burano die Spitzen. Allerdings sind die in den zahlreichen Geschäften für Touristen angebotenen Waren von minderwertiger Qualität, oftmals maschinell in Fernost hergestellt.


BuranoWir umrundeten die gesamte Insel mit unserem Motorkreuzer auf der Suche nach einem Liegeplatz, den wir schließlich auf der mit einer kleinen Brücke verbundenen Nachbarinsel Mazzorbo fanden.

Wir gingen zu Fuß ins Städtchen von Burano, wo sich ein pittoreskes Bild bot. Jedes Häuschen ist in einer anderen Farbe gestrichen, Wäsche hängt zum Trocknen auf Wäscheleinen vor den Fenstern oder im Hof, schmale Kanäle winden sich durch den interessanten Ort, enge "calle" geben den Blick frei auf malerische Hinterhöfe. Die "Hauptstraße" war natürlich voller Touristenfallen, aber nur 1 bis 2 Gassen weiter findet man eine malerische Atmosphäre vor. Wir schlenderten durch die engen Wege, kehrten zum Essen ein, gingen "shoppen" und anschließend wieder zum Boot zurück. An Bord unserer Motoryacht genossen wir die zuvor gekauften typischen Burano-Kekse und marschierten zu viert später nochmals los, um Getränke zu besorgen. Arne hat bei unseren Spaziergängen bereits zwei kleine Häuser gefunden, die er am liebsten als Ferienhaus erwerben würde, um den Sommer in der Lagune von Venedig zu verbringen. Leider hat er bisher noch niemanden gefunden, der die ganze Sache finanziert. Aber was nicht ist, kann ja durchaus noch werden ...

Burano Burano

Abends, wenn die Tagestouristen die Insel verlassen, ist es dann sehr, sehr ruhig. Wir fanden nur mit Mühe noch ein Restaurant, das geöffnet hatte. Dort waren wir die letzten Gäste. Arne und Klaus labten sich zunächst an frischen Muscheln, dann an Seezunge mit gemischtem Salat. Ilse und Karl-Heinz begnügten sich mit Lasagne. Heike aß als Vorspeise Rissotto und dann ebenfalls Fisch. Mit Grappa, Lemoncello und Eis mit Sahne schlossen wir die schmackhafte Mahlzeit ab und gingen durch das zwischenzeitlich fast menschenleere Städtchen an Bord unseres gecharterten Motorbootes zurück um zu schlafen.
 


Tag 5 - Mittwoch - 30. März 2005

Bei strahlendem Sonnenschein legten wir nach einem ausgiebigem Frühstück in Burano ab und fuhren erwartungsvoll Richtung Venedig. Wir durchkreuzten die Lagune vorbei an Murano.

Rund um Venedig Der Schiffsverkehr wurde immer dichter. Vaporetti, - ursprünglich dampfbetriebene Wasserfahrzeuge (vapore = Dampf) - die für den Linienverkehr in der Lagune von Venedig sorgen, Lastkähne, Polizeiboote, Autofähren, Wassertaxis etc. kreuzten unseren Weg. Wir fuhren um Venedig - gebaut auf 117 kleinen Inseln mit 150 Kanälen und 409 Brücken - herum, bis zur Einfahrt in den Canal Grande. Dort kehrten wir um, denn die Fahrt hierdurch ist für Hausboote bei empfindlicher Geldstrafe verboten. Dies wollten wie bei allem Interesse nun dennoch nicht riskieren.

Der fremde - möglicherweise gar sogar noch unerfahrene - Skipper sei hier vor dem unbedachten Eindringen in die venezianische Verkehrsszene nachdrücklich gewarnt!

Die Verkehrsdichte in der Lagunenstadt - auf dem Canal Grande etwa - ist dazu angetan jeden Sportbootfahrer mit Panik zu erfüllen und ihm angesichts der Menge von unbekümmert durcheinanderwimmelnden Vaporetti, Wassertaxis, Personen- und Lastgondeln, Rettungsdienst- Feuerwehr- und Polizeibooten, Motoscafi, Traghetti sowie Versorgungs- und Lastkähnen, jenes Übermaß von Konzentration abzuverlangen, das weder ihm noch seiner Crew viel Muße zum Betrachten des sehr beeindruckenden Uferpanoramas gestattet.


Fenster am Canal GrandeDer Canal Grande - und nicht Canal-e, das ist für die Einheimischen ein Vergehen - ist die Hauptverkehrsader des venezianischen Verkehrsnetzes, wobei jeder Kanal ursprünglich ein Fluss oder Bach war. Er windet sich im ehemaligen Lauf der Brenta, während diese selbst nach Süden umgeleitet wurde. Der große Kanal schlängelt sich durch alle 6 Stadtviertel Venedigs - von San Marco bis zum Hauptbahnhof - formt auf seinen rund 3,8 Kilometern Länge ein umgedrehtes "S" und ist dabei zwischen 30 und 70 Metern breit und durchschnittlich fünf Meter tief. Gut 190 Palazzi und Häuser stehen an seinen Ufern, dazu kommen 15 Kirchen und etwa 40 Zuflüsse von Seitenkanälen sowie zahllose kleine Plätze.

Im 16. Jahrhundert soll sich einmal jemand die Mühe gemacht haben, die Fenster am Canal Grande zu zählen. Der eifrige Chronist kam auf 18.619. Wir haben aus Zeitmagel auf das Nachzählen verzichtet.


Wir suchten den uns in unseren Reiseunterlagen empfohlenen Yachthafen von San Giorgio - mit Blick auf den Markusplatz - auf. Die Insel San Giorgio, seit dem Jahr 982 von Benediktinern bewohnt, wird von der Kirche San Giorgio Maggiore dominiert. Bei der Einfahrt in den Hafen war zunächst auf den ersten Blick kein freier Platz zu entdecken und wir drehten daher enttäuscht wieder ab. Doch bei der Vorbeifahrt änderten wir unsere Meinung und wir hatten tatsächlich Glück, es gab noch ein paar wenige freie Anlegeplätze. In der Hauptsaison ist es sicherlich angesagt, hier rechtzeitig telefonisch einen Platz zu reservieren.

Der freundliche Hafenmeister wies uns einen freien Liegeplatz an. Das Anlegen erfolgte "römisch-katholisch", also mit dem Heck am Schwimmsteg, was uns jedoch keine Probleme bereitete, denn schließlich hatten wir nicht nur eine perfekt eingespielte Crew, sondern auch noch ein komfortables Motorboot mit übersichtlichem Außensteuerstand sowie einem Bugstrahlruder. Der vorhandene Starkstromsanschluss ermöglichte es uns dann auch Fotokameras und Rasierer aufzuladen. Der Wasseranschluss funktionierte zwar leider nicht, aber wir hatten noch genügend Wasser im Tank.

Wir machten uns "stadtfein" und fuhren mit dem Vaporetto eine Station weiter zum Markus Platz.


Das historische Zentrum der Stadt Venedig ist traditionell aufgeteilt in sechs Stadtteile: Cannaregio, San Polo, Dorsoduro, Santa Croce, San Marco und Castello. Auf dem Festland gehören die "hässlichen Schwestern" Mestre und Marghera dazu. Die Gebäude Venedigs sind auf Holzpfählen erbaut, die in verschiedene Schichten von Ton und Sand eingerammt sind. Die Technik der "palificazione" hat sich, abgesehen von einer Mechanisierung, bis heute im Wesentlichen nicht geändert. Venedig ist eine Stadt im Meer. Wer Angst vor dem Wasser hat, wer auf Booten leicht seekrank wird, wer nicht wirklich gut zu Fuß ist, der wird wenig Freude an einem Besuch dieser einzigartigen Stadt haben. Das Sestiere San Marco ist nicht nur der geistige und politische Mittelpunkt Venedigs, sondern durch seine Lage auch das Zentrum der Stadt. Es ist ein Platz mit vielen feinen Adressen an Hotels und Restaurants und einer großen Zahl exklusiver - und größtenteils auch teurer - Geschäfte. Die Haupt-Gassen des Stadtbezirks sind in der Regel voll von Menschen, doch auch hier gibt es Ecken, in denen man, nur wenige Schritte abseits, Ruhe finden und ein völlig anderes Venedig kennenlernen kann. Der Markusplatz ist das Herz des Stadtteils San Marco, aber auch der gesamten Stadt.


Rialtobrücke in Venedig
Nun ging unsere große Venedig-Besichtigungstour los... Und zwar jeder nach seinem Geschmack: Karl-Heinz fuhr eine große Runde mit dem Vaporetto den Canal Grande entlang und umrundete dann Venedig bis zu unserem Liegeplatz auf San Giorgio. Ilse und Klaus fuhren zunächst mit, stiegen an der Station "Rialtobrücke" aus und gingen dann zu Fuß zurück zum Markusplatz. Bis ins 19. Jahrhundert war die 28 Meter lange Rialtobrücke die einzige Brücke über den Canal Grande. Derzeit existieren drei Brücken über den Kanal.

Arne und Heike fuhren mit dem Aufzug den Campanile - dem Kirchturm der Markuskirche - hinauf. Die Venezianer nennen ihn "el paron de casa", den Hausherren. Er ist Herrschafts- und Wahrzeichen der Republik. Als Bekrönung blickt die Statue des Erzengels Gabriel seit 1517 von der Turmspitze herab auf das Gewimmel des Markusplatzes. In Italien stehen die Kirchtürme meistens in gebührendem Abstand zur Kirche. Dies sollte sich in Venedig als besonders günstiger Umstand erweisen, denn am 14. Juli 1902 fiel der Turm in sich zusammen. Glücklicherweise wurde nur die Loggetta, die Vorhalle des Turmes, zerstört. Vom Turm aus hat man einen herrlichen Blick über die Stadt und die Lagune.
Markusplatz in Venedig
Später machten Heike und Arne eine erste Shoppingtour rund um den Markusplatz. Vereinbarungsgemäß trafen sich die beiden Mütter und ihre Söhne dort wieder, bummelten zusammen durch die engen Gassen und schauten sich die Auslagen in den zahllosen Geschäften an.

Karl-Heinz stieß gegen 18.00 Uhr dazu und wir machten eine kleine Gondelfahrt durch die engen Kanäle Venedigs. Gondeln haben in der Wasserstadt eine jahrhundertlange Tradition. Früher waren sie das einzige Verkehrsmittel in der Stadt. So gab es im 16. Jahrhundert ca. 10.000 Gondeln. Heute gibt es noch rund 500, die aber nur noch zu touristischen Zwecken benutzt werden.

Gondelfahrt in VenedigUnsere Gondelfahrt war wirklich sehr beeindruckend. Toll wie die Gondolieri in den schmalen Wasserwegen manövrierten.

Eine Gondel zu führen ist eine Kunstfertigkeit, die langjährige Übung erfordert. Der Gondoliere rudert vorwärts, während er am Heck steht, denn im engen Gewirr der Kanäle muss er die Strecke im Auge behalten können. Mit einem einzigen Ruder (il remo), das in einer charakteristischen handgeschnitzten Holzhalterung (la forcola) aufgelegt wird, meistert er die schärfsten Biegungen im Kanal und hält das Boot auch bei starkem Wellengang ruhig.

Anschließend gingen wir dann Essen. Die venezianische Küche ist berühmt. Berühmt dafür, dass man in Venedig sehr teuer isst, aber auch dafür, dass sie nicht besonders gut ist. Beides stimmt in gewisser Weise, aber man muss es relativieren. Die venezianische Küche ist sehr gut, wenn man zwischen all den Touristenlokalen die wirklich guten und gediegenen Restaurants herausfindet. Das Essengehen in der Lagunenstadt ist zwar nicht billig, aber man kann, wenn man sucht und nicht einfach irgendwo zum Essen geht, durchaus auch angemessene Preise finden. Das von Klaus angesteuerte Restaurant "Da Remingo" hinter dem schiefen Kirchturm der Greci-Kirche - ein "Geheimtipp" aus dem Reiseführer - hatte allerdings kein freies Plätzchen mehr für uns. Wir hatten es versäumt, rechtzeitig zu reservieren. Also bummelten wir weiter und fanden alsbald ein gutes Lokal.

Gesättigt ging es per Vaporetto zurück zu unserem Liegeplatz mit der malerischen Kulisse gegenüber des Dogenpalastes.
 


Tag 6 - Donnerstag - 31. März 2005

Am Donnerstag fuhren Ilse, Heike, Arne und Klaus gleich nach dem Frühstück per "Vaporetti " zum Markusplatz. Die "Wasserbusse" wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt. Für ihren Betrieb zeichnet heute die städtische Verkehrsgesellschaft ACTV (Associazione Consorzio Trasporti Veneziani) verantwortlich.

Auf den Booten gibt es wenige Haltegriffe. Allerdings haben nur die Touristen damit ein Problem. Die Venezianer werden offenbar als Seeleute schon mit eingebauter Standfestigkeit geboren.

Heute stand keine Schlange vor dem Eingang zum Dogenpalast (Palazzo Ducale). Also nahmen wir die Gelegenheit zu einer ausführlichen Besichtigung wahr. Der Palast ist wirklich sehr beeindruckend, zumal er mit dem Gefängnisbau verbunden ist, der über die berühmte Seufzerbrücke zu erreichen ist.

Der Palazzo Ducale ist eines der dominierenden Gebäude am Markusplatz. Er ist verbunden mit San Marco durch die Porta della Carta, den Durchgang zum Hof des Palastes. Der Dogenpalast ist die Verkörperung des venezianischen Staates in all seiner Macht, Kraft und Schönheit. Er hat gewaltige Ausmaße von etwa 75 mal 100 Metern und stellt sich als drei Flügel einer Vierflügelanlage um einen weiteren Innenhof dar, deren vierter Flügel die Markuskirche ist. Der Dogenpalast besaß in seiner Geschichte viele Funktionen: Regierungsgebäude, Justizpalast, Staatsgefängnis und es befand sich hier auch die Wohnung des Dogen. Es handelt sich um einen der bedeutendsten Profanbauten der Gotik überhaupt.
Im Anschluss spazierten wir durch die engen Gassen bis zur Rialtobrücke. Nach einer kleinen kulinarischen Stärkung fuhren wir mit dem Vaporetto nach Murano.


Murano Die Insel Murano ist eine Welt für sich und lebt ganz mit und vom Glas. Die Kunst, Gegenstände aus Glas herzustellen und zu formen, kam im 10. Jahrhundert aus dem Orient und wurde bis 1291 auch in der Stadt Venedig ausgeübt. Aufgrund der hohen Brandgefahr, die von den Glasöfen ausging, wohl aber auch um die Handwerker besser überwachen zu können, hatte die damalige Stadtverwaltung die Glasbläser angewiesen, in Murano zu leben und zu arbeiten. Auf Flucht und Verrat stand die Todesstrafe. Sie lebten wie Gefangene auf der Insel. Die venezianische Vormachtstellung in der Glasherstellung wurde erst im 18. Jahrhundert durch den Erfolg böhmischer Glasmanufakturen gebrochen. Mit dem beginnenden Tourismus am Anfang des 19. Jahrhunderts erlebte Murano ein erneutes Aufblühen.


Nach 1 ½ Stunden Fahrt rund um Venedig kamen wir gerade noch rechtzeitig zur letzten Glasbrenner-Vorführung auf Murano an. Besonders viel wurde uns dort jedoch nicht gezeigt. Wir schlenderten noch ein wenig die Wege und Kanäle entlang, besichtigten die zahlreichen Schaufenster der örtlichen Geschäfte und fuhren dann wieder zurück. Die Qualität dessen, was heutzutage auf Murano an Glas hergestellt wird, ist sehr unterschiedlich. Eindeutig dominiert der Kitsch, doch werden auch feinste und künstlerisch hochwertige Dinge gefertigt.

Es war gar nicht so leicht freie Plätze auf einem Vaporetto für die Rückfahrt zu finden, einige waren sogar hoffnungslos überfüllt. Ilse und Klaus stiegen unterwegs in eine andere Vaporetto-Linie um und holten Karl-Heinz im Hafen von San Giorgio ab. Derweil fuhren Arne und Heike gleich weiter bis San Marco und erstanden noch ein paar Masken - weiße zum Selbstbemalen.

Um 19.00 Uhr trafen wir uns dann alle zum Essen. Da es der letzte Abend in Venedig war, genossen wir mehrere Gänge. Arne begeisterte die Bedienung, weil er Fischsuppe und Seezunge bestellte und kein Kindermenü. Die Erwachsenen labten sich an unterschiedlichen Fischen und Meeresfrüchten. Als Dessert gab es Tiramisu bzw. Creme Catalan. Auf Kosten des Hauses gab es dann zum Abschluss noch Grappa oder Lemoncello. So gestärkt nahmen wir das Vaporetto zurück zu "unserer" Insel San Giorgio.
 


Tag 7 - Freitag - 01. April 2005

San MarcoKurzentschlossen setzten Heike, Arne und Klaus am nächsten Tag nochmals nach San Marco über, um Arnes Postkarte abzusenden, noch ein klein wenig durch die Gassen zu schlendern und einen Espresso/Kakao in einer typischen Steh-Cafe-Bar zu trinken.

Zurück an Bord mussten wir noch kurz auf den Hafenmeister warten, um die Liegegebühr zu bezahlen und unsere Papiere zurückzuerhalten. Wir legten bei herrlichem Sonnenschein aber auffrischendem Wind ab und fuhren nochmals Richtung Burano. Kaum aus dem Hafenbecken heraus, wehte die Kappe von Klaus in hohem Bogen ins Wasser der Lagune. Ein sogleich eingeleitetes "Über-Bord-Manöver" gestaltete sich wegen des regen Schiffsverkehrs gar nicht so einfach. Hier machten sich mal wieder die Übungsstunden der Bootsführerscheine bezahlt und es gelang uns das gute Stück unter Zuhilfenahme des Bootshakens aus dem trüben Nass zu fischen.

Diesmal wählten wir einen anderen - landschaftlich interessanteren - Weg als bei der Herfahrt: von San Giorgio um Venedig herum (Canale di San Nicolo - Canale delle Navi - Canale della Bissa) um dann an der "Westküste" von San Erasmo entlang zu fahren. Diese Insel ist komplett von einer Mauer umgeben und im Gegensatz zu vielen anderen Inseln sehr grün bewachsen. Sie gilt als Venedigs Gemüsegarten. In den von böigem Wind und starkem Bootsverkehr verursachten Wellen kam unser Hausboot gelegentlich doch schon ganz heftig ins Schaukeln, was aber alle Besatzungsmitglieder unbeschadet überstanden haben. Wir bogen in den Canale di Burano ein und kamen wieder in Burano an. Buranos schiefer Campanile (er hat eine Neigung von immerhin zwei Metern) stellt für den Lagunenfahrer einen markanten Orientierungspunkt dar.

Anlegestelle für HausbooteAnlegestelle für HausbooteDieses Mal legten wir an der in unserem Kartenmaterial ausdrücklich ausgewiesenen Anlegestelle für Hausboote an. Insgesamt allerdings eine technisch eher missglückte Konstruktion. Das Festmachen an den dicken, senkrecht stehenden Holzpfählen war zwar unproblematisch. Allerdings sollte man beachten, die Leinen nicht am oberen, sondern am unteren Teil der Pfähle festzumachen, da ansonsten die Gefahr besteht, dass sich das Boot bei Ebbe aufhängt.

Der Zugang an Land war wegen der steilen Uferbefestigung nur über einen sehr schmalen Steg - der eher an eine Hühnerleiter erinnerte - möglich und erforderte nicht nur viel Mut, sondern auch eine gewisse Portion Gleichgewichtssinn. Aber nach ein paar Übungen gelangten wir alle unfallfrei an Land.

BuranoNach einer ausgiebigen Kaffeepause gingen alle bis auf Karl-Heinz ins Städtchen zum Bummeln. Arne erstand seine x-te Maske und Heike einige schon beim ersten Besuch erkundete Mitbringsel. Danach füllten wir im örtlichen "Spar"-Markt unsere Vorräte auf. Zurück an Bord genehmigten wir uns einen Bitterino, lasen, ruhten oder hörten Arnes Venedig-CD. Um kurz nach 19.00 Uhr machten wir uns auf den Weg zum Restaurant, in dem wir bei unserem Einkaufsbummel bereits einen Tisch reserviert hatten.  Die "Trattoria al Gatto Nero" entpuppte sich als absoluter "Geheimtipp". Ein sehr schönes Restaurant, super Essen und ein freundlicher Ober, der sehr gut Englisch sprach. Nach der Vorspeise gab es Steinbutt (Heike/Klaus) und Seezunge (Ilse/Karl-Heinz). Arne begnügte sich mit Spaghetti Bolognese. Der Rotwein aus dem Veroneser war sehr lecker und die Krönung war das Dessert: "Semi-freddo" - riesige Tortenstücke ...

Total gesättigt und zufrieden ging es an Bord zurück. Nach einer Tasse Tee gingen wir alle müde in unsere Kojen.
 


Tag 8 - Samstag - 02. April 2005

Nach dem Frühstück stockten wir zunächst unsere Brot- und Getränkevorräte in Burano auf. Bereits am Vormittag herrschte in dem kleinen Städtchen reger Touristenverkehr. Bei strahlendem Sonnenschein legten wir ab und fuhren den Canale di Burano in östlicher Richtung bis zum "Litorale del Cavalino". Weiter ging es dann in den Süden, vorbei an Venedig und dem gegenüberliegenden Lido.

Lido Venedig

Als Lido (von lateinisch litus, "Strand") wird im italienischen eine langgestreckte Nehrung bezeichnet, die eine Lagune vom offenen Meer trennt. Weltbekannt ist der "Lido di Venezia", der mittlere, Venedig gegenüber liegende Teil der Nehrung, die von Chioggia bis Jesolo reicht. Er entwickelte sich im 19. Jahrhundert zum mondänen Seebad mit luxuriösen Hotels. Als Schauplatz von Thomas Manns Tod in Venedig fand er Eingang in die Literatur. Der Lido ist nicht Venedig. Wer auf dem Lido wohnt, würde sich niemals als Venezianer bezeichnen. Ein richtiger Venezianer dagegen blickt herablassend auf die Lido-Bewohner. Doch ist der Lido für die Venezianer das Seebad vor ihrer Haustür und vor allem die Barriere, die die Lagune gegen die Adria abgrenzt und Venedig vor den Gezeiten schützt. Im Gegensatz zur Lagunenstadt herrscht auf dem Lido reger Autoverkehr.


Wir kreuzten die drei Zugänge zum offenen Meer - hier findet der Austausch des Wassers statt - und fuhren stundenlang nahe am Ufer entlang. Es gab sehr viel zu schauen und zu bewundern, Prachtvillen, kleine und größere Segel- und Motorboote, Alleen, Straßen und Wasserwege. Je weiter südlicher wir kamen, um so mehr herrschten dann Industrieanlagen vor.

Beim Yachthafen von "Darsana Mosella" hielten wir Ausschau nach einem Liegeplatz, aber alles schien hier besetzt zu sein. Also wollten wir zum nächsten Privathafen weiterfahren. Die Fahrrinne war auf der rechten Seite durch die obligatorischen dicken Holzpfähle gekennzeichnet. Laut Karte sollte die Fahrrinne sogar breiter sein als die zuvor genutzte. Leider war dem jedoch nicht so und wir fuhren auf eine Sandbank auf. Wir konnten uns zwar bald wieder freimachen, aber nur um kurz darauf auf eine zweite zu treffen. Glücklicherweise blieb die Schraube dabei immer frei, da wir nur mit dem Bug im Schlick aufsetzten. Außerdem kam die Flut und das Wasser stieg. Zwei vorbeipreschende Wassertaxen "halfen", indem sie uns mit ihren Bugwellen Wasser unter den Kiel brachten. Wir kamen daher bald wieder los und fuhren vorsichtig weiter dicht an den Pfählen entlang.Chioggia

Auch der Hafen des "Sporting Club Marina di Chioggia" schien weitgehend belegt zu sein. Wir fuhren also weiter den Kanal nach Chioggia hinein und fanden einen "halblegalen" Liegeplatz an einer nicht geöffneten Bootstankstelle. Da sich niemand beschwerte, blieben wie einfach dort liegen. Für unseren hungrigen Sohn musste es sofort und auf der Stelle Spaghetti geben. Einen späteren Restaurantbesuch lehnte er kategorisch ab. Also verbrachten Heike und Arne einen Spieleabend an Bord, während die Bartrams zum Essen in den Ort gingen. Zurück auf dem Hausboot tranken wir zusammen noch einen Wein oder Tee und ließen den Abend gemütlich ausklingen.
 


Tag 9 - Sonntag - 03. April 2005

Nach einem ausgiebigen Frühstück gingen wir bei strahlendem Sonnenschein in das Stadtzentrum von Chioggia. Die im südlichsten Teil der Lagune auf Inseln gebaute Stadt trägt mit ihren engen Gassen, Kanälen und historischen Bauten zu Recht den Beinamen "Kleinvenedig". Chioggia - das Fischereizentrum der Lagune - ist nur durch Brücken mit dem Festland verbunden. Dort tobte das Leben: Kirchgänger, Flaneure und Fischmarktbesucher drängten sich in den engen Gassen und auf der großen Piazza. Wir schlenderten herum, erstanden ein paar Reiseandenken und genossen zum Abschluss noch Kaffee und Eis an einer kleinen Bar.

Zurück an Bord bereiteten wir sogleich die Abfahrt vor. Wir fuhren aus der Stadt heraus, durchquerten den großen Handelshafen und kreuzten den Fluss "Brenda", um auf dem "Canale di Valle" weiter zu fahren. Die Schleuse öffnete automatisch als wir uns näherten. Vor dem Fluss "Adige" gelangten wir an die nächste Schleuse. Da es kurz nach 16.00 Uhr war, waren wir uns nicht sicher, ob die Schleuse am "heiligen" Sonntag noch öffnete. Telefonisch erreichten wir den Schleusenwärter, der uns dann unverzüglich durch beide Schleusen ließ.

Schleuse in Italien

Da hatten wir aber Glück, denn auch hier gab es mal wieder keine richtige Anlegemöglichkeit weit und breit. Es sei denn, man wollte die Nacht weit ab vom Ufer verbringen, festgebunden an einem der baumstammdicken hölzernen Markierungspfähle. Wir fuhren auf dem "Canale Po Brondolo", der in den Fluss Levante mündet. Über eine weitere - riesig große - Schleuse gelangten wir auf den Po.


In 400 Kilometer Länge teilt sich das Mündungsgebiet des Po in sechs Flüsse (Po di Levante, Po di Maistra, Po di Pila, Po di Tolle, Po di Gnocca oder Donzella und Po di Goro). Die Gegend ist reich an wilden Vögeln, Fischen, Pflanzen jeder Art.


Der sehr breite Strom bot uns bald eine Hafeneinfahrt zu einem Sporthafen in Porto Viro. Ganz ungewohnt nach unseren bisherigen Erfahrungen in Italien gab es hier mehr freie als belegte Liegeplätze. Wir machten fest und konnten auch zum ersten Mal unseren Frischwassertank auffüllen.
Porto Viro
Diese Aufgabe hat - wie bereits in den Vorjahren - unser Bootsmann Arne erledigt. Auch Stromanschlüsse waren vorhanden und so konnten wir auch die Akkus unserer elektrischen Geräte wie Fotokameras und Rasierapparate aufladen. Ilse entdeckte bei einem Rundgang eine Pizzeria ganz in der Nähe des Hafens. Als wir alle zusammen gegen 19.30 Uhr dort eintrafen herrschte bereits Hochbetrieb. Wir genossen original italienische Pizza satt. Die Pizzeria war offensichtlich ein beliebtes Familienrestaurant der Gegend, denn zahlreiche Kinder bevölkerten die Tische. Auch am heutigen Abend wurden wir kulinarisch nicht enttäuscht. Zurück an Bord gab es dann noch den obligatorischen Schlummertrunk.
 


Tag 10 - Montag - 04. April 2005

Blauer Himmel und strahlender SonnenscheinGegen Mittag kam der örtliche Hafenmeister, um die Liegegebühr von 20 Euro "einzutreiben". Außerdem begutachtete er ausgiebig unser Hausboot.  Bei strahlendem Sonnenschein - wann hatten wir eigentlich keinen blauen Himmel ? - legten wir ab und fuhren den Po weiter stromaufwärts. Trotz seines Namens gab es keine unangenehmen Gerüche. Der Fluss ist sehr breit und bietet erstmal wenig Abwechslung. Arne fuhr heute eine lange Strecke alleine, übte dabei die Steuerung mit dem Bugstrahlruder und auch das Aufstoppen. Plötzlich sichtete er eine große Sandbank, die nicht in der Karte verzeichnet war. Nach den schlechten Erfahrungen mit den Untiefen bei Chioggia reduzierte unser erfahrener Bootsmann unverzüglich das Tempo und übergab das Steuer an Schiffsführer Klaus.

Langsam und ganz vorsichtig tasteten wir uns entlang der Markierungen (rote und weiße Bojen oder Pfähle). Laut Karte sollte es hier eine Brücke geben, aber diese war wohl gerade auf Osterurlaub, denn wir konnten sie nicht erblicken. Wir fuhren weiter den Fluss hinauf - immer auf Untiefen und Sandbänke achtend. Nach insgesamt 3 Stunden Fahrt kamen wir zu der Abzweigungen in den Po di Goro. Hier gab es zum ersten Mal Anlegemöglichkeiten und zwar auf beiden Seiten des Stromes. Wir legten an der interessanteren an. Freundliche Einheimische halfen uns beim Anlegen. Der Liegeplatz war landschaftlich sehr reizvoll - mitten im Naturschutzgebiet - mit kleinen Buchten, die Arne zum Burgbauen einluden.

La Porta del Delta Hinter dem Deich befand sich eine Siedlung des "Austrian Fishing Adventure Camp" La Porta del Delta. Diese hatten - neben einigen Einheimischen - mehrere Angelboote am Steg vertäut.

Wir genossen den restlichen sonnigen Nachmittag in der Natur. Mehrere Fischer versuchten in ihren Booten am Steg mit Netzen ihr Glück und hatten auch tatsächlich Erfolg. Sie fingen ziemlich viele und große Fische. Wir schauten interessiert zu und ein netter älterer Einheimischer schenkte uns drei verhältnismäßig große Fische.

Lebende FischeWir waren zunächst hellauf begeistert - frischer Fisch zum Abendessen - guckten dann aber bald ziemlich dumm aus der Wäsche, weil zum einen die Fische noch zappelten und zum anderen keiner von uns wusste, wie man sie ausnimmt.  Karl-Heinz fasste sich ein Herz und schlug den armen Kreaturen heftig hinter die Kiemen, damit wir sie weiter bearbeiten konnten. Der erste Schnitt, den Ilse wagte, saß aber nicht so zufriedenstellend, insbesondere da wir nur mehr oder weniger stumpfe Messer an Bord hatten. Wir waren beinahe soweit die Fische in den Fluss zu schmeißen, was aber auch wieder irgendwie schade gewesen wäre. Just zu diesem Zeitpunkt kam ein weiterer Petrijünger an den Steg, bewunderte unsere Fische und ging dann zu seinem Boot um sein Netz auszuwerfen.

Carcassonne Spiel des Jahres 2001
Carcassonne
Spiel des Jahres 2001


Bevor wir unser Unternehmen "frischer Fisch zum Abendessen" ganz aufgaben, fragte Heike dann diesen Fischer, ob er uns beim Ausnehmen der Fische helfen könne. Dies tat er gerne - er hatte wohl unsere vorangegangene Stümperei bereits ausgiebig beobachtet - und er erklärte uns die Sache am "lebenden" Objekt. Wir hatten verstanden - dachten wir zumindest - aber so schnell wie er zerlegten wir den zweiten Fisch nicht. Der freundliche Mann erbarmte sich ein weiteres Mal und half uns auch beim zweiten Fisch. Den dritten haben wir dann ganz alleine gemeistert. Zum Erstaunen von Karl-Heinz und Klaus konnten wir nach geraumer Zeit drei Superfische auf das Backblech des Ofens in der Kombüse unseres Motorkreuzers legen. Nach gut 45 Minuten waren die Fische gar - sogar ohne Geruchsbelästigung - und es gab tatsächlich frischen Po-Fisch mit Weißbrot und Tomaten. Es schmeckte allen vorzüglich. Nach Kaffee und Tee spielten wir noch eine Runde "Carcassonne" und ließen den vorletzten Abend an Bord ganz gemütlich ausklingen.
 


Tag 11 - Montag - 05. April 2005

Auch an unserem letzten Tag wurden wir wieder von strahlendem Sonnenschein geweckt. Nach einem wirklich reichhaltigem Frühstück - nur Klaus begnügte sich mit einer Tasse Kaffee - legten wir ab, um die flachen Flussstellen und Sandbänke vor dem Tiefstand des Wassers rechtzeitig zu passieren. Ebbe und Flut wirken auch noch hier, tief im Inneren des Po-Delta.
Frachter auf dem Po
Kurz vor der Schleuse überholte uns ein großer Schuber mit recht hohem Tempo. Glücklicherweise hatte Steuermann Klaus bereits einige Erfahrungen mit der Berufsschifffahrt auf Rhein und Main gemacht, so dass uns die teilweise recht hohen Wellen nicht versenkten. In der nachfolgenden Schleuse war neben dem Frachter auch noch genügend Platz für unser Hausboot und wir wurden zusammen durchgeschleust.

Nach der Schleuse legte der Schuber an und wir konnten passieren. Wir fuhren den Levante flussabwärts bis zum Mittelmeer. Wir legten in dem kleinen Hafenstädtchen Porto Levante an. Allerdings hatte hier alles entweder dienstags sowieso oder nachmittags grundsätzlich geschlossen. Daher gingen wir bald wieder zum Schiff zurück und legten eine ausgiebige Kaffeepause ein.

Danach fuhren wir die letzten Seemeilen (zurück) zur Basis des Bootsvermieters bei Porto Levante. Das letzte Anlegemanöver verlangte nochmals das ganze Können des Schiffsführers. Bei aufkommendem Wind, quer zur Strömung des Flusses, "römisch-katholisch" (=rückwärts) mussten wir in einer engen Lücke zwischen zwei Charterbooten anlegen und festmachen. Aber mit Hilfe des Bugstrahlruders und der eingespielten Crew gelang auch dies letztlich völlig problemlos.

Porto Levante

Unser 9-jähriger Bootsmann hat sich zu einem vollwertigen Mannschaftsmitglied entwickelt. Die Basis befand sich noch halbwegs im Winterschlaf. Die im Prospekt beschriebenen Einrichtungen wie Pool, Dusche etc. waren - noch - nicht in Betrieb. Im Büro der Marina klärten wir den morgigen Rückgabetermin sowie den Transfer zum Flughafen ab. Anschließend besichtigten wir die nahegelegene Ferienanlage und reservierten einen Tisch in dem angeschlossenen - einzigen geöffneten - Restaurant für den Abend. Ein kleiner Hund begleitete uns zurück an den Anlegesteg und Arne konnte sich ein wenig die Zeit mit ihm vertreiben.

Kurz nach 19.00 Uhr gingen wir zum Essen ins "Ristorante Airone". Auch hier wurden wir nicht enttäuscht. Die gewählten Fische und Meeresfrüchte waren vorzüglich. Zum Abschluss bekamen wir sogar noch eine Flasche Rotwein geschenkt. Wie schon die Abende zuvor kehrten wir satt und zufrieden an Bord zurück, um die letzte Nacht in den bequemen Kojen zu verbringen.
 


Tag 12 - Dienstag - 06. April 2005

Nach dem Frühstück packten wir schweren Herzens unsere Reisetaschen. Das Ende des Urlaubs war gekommen. Wir gingen in das Büro des Bootsvermieters und rechneten den verbrauchten Kraftstoff - nach Betriebsstunden - ab. Kurz nach 11.30 Uhr kam das vorbestellte Taxi und brachte uns zum Flughafen "Marco Polo" bei Venedig. Mit der Lufthansa ging es dann zum Frankfurter Airport. Die Großeltern wurden am Flughafen abgeholt und nach Hause gebracht. Wir nahmen ein Taxi nach Offenbach ...




Dieser Bericht erreichte uns von » Klaus Bartram und seiner Familie.









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